
Sony FE 100–400mm F4.5 GM OSS – das perfekte Wildlife-Zoom?
Auf einen Blick
- Brennweite
- 100–400 mm (interner Zoom)
- Größte Blende
- Konstant f/4,5
- Gewicht
- ca. 1 840 g
- Autofokus
- 4 XD-Linearmotoren
- Bildstabilisierung
- Optisch (OSS)
- Anschluss
- Sony FE
Sony FE 100–400mm F4.5 GM OSS – ein außergewöhnlich flexibles Objektiv für Wildlife
Es gibt Objektive, die auf dem Datenblatt beeindrucken, und Objektive, die ihren wahren Wert erst draußen im Feld zeigen. Nachdem ich das neue Sony FE 100–400mm F4.5 GM OSS während einer Reise im Pantanal eingesetzt habe, gehört dieses Objektiv definitiv in die letztere Kategorie.
Das Pantanal ist eine Umgebung, in der sich Entfernungen, Motive und Bedingungen schnell verändern. Im einen Moment fotografiert man einen Jaguar auf relativ große Distanz entlang des Flussufers, im nächsten Moment kommt das Tier deutlich näher an das Boot heran. Vögel fliegen ohne Vorwarnung auf, Wasserschweine bewegen sich zwischen Wasser und Vegetation, und die Motive verschwinden oft ebenso schnell, wie sie auftauchen.
In solchen Situationen ist Flexibilität mindestens ebenso wichtig wie maximale Reichweite. Und genau hier kommt das Sony 100–400mm F4.5 GM OSS wirklich zur Geltung.
Das Objektiv kombiniert einen sehr nützlichen Brennweitenbereich mit konstanter Blende f/4,5, schnellem Autofokus, hoher Schärfe und einer ausgewogenen Konstruktion, die bei der Fotografie aus der Hand überraschend gut funktioniert.
Es ist nicht Sonys längstes oder lichtstärkstes Teleobjektiv. Aber für viele Formen der Wildlife-Fotografie könnte es eines der nützlichsten Naturfoto-Objektive sein, die Sony bisher gebaut hat.
Unter realen Bedingungen im Pantanal getestet
Das Objektiv wurde an einer hochauflösenden Sony A7R VI verwendet, hauptsächlich aus der Hand von den kleineren Aluminiumbooten, die im Pantanal üblich sind.
Das ist eine deutlich anspruchsvollere Umgebung als ein statischer Test vom Stativ. Das Boot bewegt sich ständig, während der Fotograf gleichzeitig schnell den Bildausschnitt ändern, Tiere durch die Vegetation verfolgen und reagieren muss, wenn sich Motive nähern oder die Richtung wechseln.
Unter diesen Bedingungen funktionierte das Objektiv sehr gut. Der Autofokus war schnell und vertrauenerweckend, die Bildqualität blieb durchgehend auf hohem Niveau, und die Balance machte das Objektiv leichter handhabbar, als das Gewicht auf dem Datenblatt vermuten lässt.
Vor allem erwies sich der Bereich 100–400mm als nahezu ideal für Jaguare.
Ein nützlicherer Zoombereich, als man denkt
In der Wildlife-Fotografie wird oft von der Notwendigkeit von 600, 800 oder noch längeren Brennweiten gesprochen. Für kleine Vögel und Tiere auf große Entfernungen ist das durchaus sinnvoll. Aber bei der Fotografie größerer Säugetiere aus dem Auto oder Boot ist die maximale Reichweite nur ein Teil der Gleichung.
Ein Jaguar kann sich zunächst weit entfernt entlang des Flussufers befinden und einige Minuten später deutlich näher kommen. Ein Wasserschwein lässt sich als enges Porträt bei 400mm fotografieren, während dieselbe Situation kurz darauf 150mm erfordert, um das Tier zusammen mit seiner Umgebung zu zeigen.
Bei 100mm lassen sich Umgebungsaufnahmen erstellen, größere Gruppen fotografieren und Motive erfassen, die nah herankommen. Bei 400mm kann man das Tier isolieren, enge Porträts erstellen und kleinere oder weiter entfernte Motive erreichen.
Das bedeutet, dass man in wenigen Sekunden von einem breiteren erzählenden Bild zu einem konzentrierten Porträt wechseln kann, ohne Objektiv oder Kameragehäuse zu wechseln.
Die eigentliche Stärke liegt daher nicht darin, dass 100–400mm jede denkbare Situation abdeckt. Die Stärke liegt darin, dass der Bereich einen sehr großen Teil der Situationen abdeckt, die tatsächlich bei der Fotografie größerer Wildlife auftreten.
Ein längeres Objektiv bietet mehr Reichweite, erhöht aber gleichzeitig das Risiko, zu viel Brennweite zu haben, wenn das Tier nah herankommt. In der Praxis kann ein 100–400mm daher eine höhere Wahrscheinlichkeit bieten, das Bild tatsächlich zu bekommen.
Konstante Blende f/4,5 über den gesamten Zoombereich
Das frühere Sony 100–400mm GM hatte eine maximale Blende, die von f/4,5 bis f/5,6 variierte. Die neue Version hält f/4,5 durchgehend bis 400mm.
Der Unterschied zu f/5,6 beträgt etwa zwei Drittel einer Blendenstufe. Das ist keine dramatische Veränderung, aber in der Wildlife-Fotografie kann auch ein kleiner Lichtgewinn bedeutsam sein. Er kann eine etwas kürzere Verschlusszeit, niedrigere ISO oder bessere Voraussetzungen für den Autofokus bedeuten, wenn das Licht schwächer wird.
F/4,5 trägt außerdem zu einer deutlicheren Trennung zwischen Motiv und Hintergrund bei als lichtschwächere Telezooms, besonders bei 300–400mm und kürzeren Aufnahmedistanzen.
Das Objektiv kann problemlos bei Offenblende verwendet werden. Wir sahen keine praktische Notwendigkeit, abzublenden, um ausreichende Schärfe zu erzielen. Bereits bei f/4,5 liefert es die Detailwiedergabe, die man von einem modernen G-Master-Objektiv erwartet.
Das ist wichtig. Ein f/4,5-Objektiv, das in der Praxis bei f/5,6 oder f/6,3 verwendet werden müsste, um optimal zu leisten, hätte einen großen Teil seines Sinns verloren.
Schärfe auf hohem G-Master-Niveau
Die optische Leistung ist über den gesamten Zoombereich sehr gut. Die Bilder haben eine hohe Detailschärfe, guten Kontrast und deutlichen Mikrokontrast, auch bei 400mm und Offenblende.
Letzteres ist besonders wichtig. Viele Telezooms leisten gut in der Mitte des Zoombereichs, verlieren aber am äußersten Ende etwas – gerade dort, wo der Wildlife-Fotograf sie oft verwendet.
Mit dem Sony 100–400mm F4.5 GM OSS fühlen sich 400mm nicht wie ein Kompromiss oder eine Notlösung an. Fell, Federn und feine Strukturen werden mit hoher Präzision wiedergegeben, auch am hochauflösenden Sensor der A7R VI.
Feste Superteleobjektive können nach wie vor einen noch höheren Mikrokontrast, weichere Hintergründe und eine stärker ausgeprägte Motivtrennung bieten. Ein 400mm f/2,8 erzeugt eine andere Bildsprache. Aber es ist gleichzeitig deutlich größer, schwerer, teurer und weniger flexibel.
Der relevante Vergleich betrifft daher nicht allein die maximale Bildqualität in einer kontrollierten Situation. Es geht darum, wie viel Qualität man im Verhältnis zu Gewicht, Flexibilität und der Wahrscheinlichkeit bekommt, die richtige Brennweite zu haben, wenn etwas passiert.
Da ist das Sony 100–400mm sehr stark.
Gute Motivtrennung – aber kein 400mm f/2,8
Bei 300–400mm und relativ kurzer Aufnahmedistanz kann das Objektiv weiche Hintergründe und eine deutliche Trennung rund um das Motiv erzeugen. Das Bokeh und der Übergang zwischen Schärfe und Unschärfe sind in der Regel angenehm.
Bei komplexen Hintergründen mit Zweigen, Laub oder starken Lichtern kann der Hintergrund natürlich unruhiger werden als mit einem festen Superteleobjektiv mit größerer Blende. Das ist eine physikalische Konsequenz von f/4,5, keine eigentliche Schwäche der Konstruktion.
Wer dieselbe dreidimensionale Trennung wie von einem 400mm f/2,8 erwartet, wird sie nicht bekommen. Aber im Verhältnis zum Zoombereich, zur Größe und zur Nützlichkeit des Objektivs ist das Ergebnis sehr gut.
Der Hintergrund wird zudem nicht allein von der Blende bestimmt. Die Entfernung zum Motiv, der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund sowie die gewählte Brennweite spielen mindestens eine ebenso große Rolle. Mit der richtigen Positionierung können 400mm und f/4,5 ein sehr sauberes und ansprechendes Ergebnis liefern.
Schneller und sicherer Autofokus
Wildlife stellt deutlich höhere Anforderungen an den Autofokus als statische Testmotive. Das Objektiv muss Tiere durch die Vegetation verfolgen, schnelle Entfernungsänderungen bewältigen und zum Auge des Motivs zurückfinden können, nachdem es kurzzeitig verdeckt war.
Sony verwendet vier XD-Linearmotoren im Objektiv. Laut Unternehmen ist der Autofokus bis zu dreimal schneller als beim Vorgänger, während die Leistung um bis zu 50 Prozent verbessert sein soll. Herstellerangaben sollten stets im Verhältnis dazu betrachtet werden, wie sie gemessen wurden, aber der Eindruck im Feld ist, dass die Fokussierung wirklich schnell und direkt ist.
Zusammen mit der A7R VI funktionierte der Fokus sehr gut. Das Objektiv fühlte sich nicht wie der begrenzende Faktor an, wenn sich Tiere entlang des Flussufers oder durch kompliziertere Umgebungen bewegten.
Die Fokussierung ist bestimmt statt zögerlich. Wenn eine Situation nur wenige Sekunden dauert, ist das ein wichtiger Unterschied. Der Fotograf soll sich auf das Verhalten des Tieres, das Licht und die Komposition konzentrieren können, statt darüber nachzudenken, ob das Objektiv den Fokus findet.
Überraschend gut für die Fotografie aus der Hand
Das Sony 100–400mm F4.5 GM OSS wiegt etwa 1.840 Gramm. Es ist also kein leichtes Objektiv im absoluten Sinne und definitiv kein kompaktes Reisezoom.
Gleichzeitig erzählt die Gewichtsangabe nicht die ganze Geschichte.
Das Objektiv verfügt über einen internen Zoom, was bedeutet, dass sich seine Länge und sein Schwerpunkt nicht ändern, wenn man von 100 auf 400mm geht. Das ergibt eine konstante Balance und macht bei längeren Sequenzen aus der Hand einen großen Unterschied.
Man muss die Hand nicht umsetzen oder den Griff anpassen, wenn sich die Brennweite ändert. Von einem Boot aus, wo sich sowohl der Fotograf als auch der Untergrund bewegen, ist die vorhersehbare Balance besonders wertvoll.
Das Objektiv ist immer noch groß und schwer genug, um nach einem langen Tag spürbar zu sein, aber es erfordert nicht automatisch Stativ, Einbeinstativ oder Gimbal. Für viele Fotografen ist die Fotografie aus der Hand durchaus realistisch.
Die Bildstabilisierung trägt ebenfalls dazu bei. Sie kann ein bewegtes Tier nicht einfrieren, stabilisiert aber das Sucherbild und hilft dem Fotografen, den Fokuspunkt auf dem Auge zu halten oder ein enges Porträt bei 400mm zu komponieren.
Der interne Zoom ist mehr als eine Komfortfunktion
Der interne Zoom ist nicht nur eine Frage des Premium-Gefühls. Er bietet mehrere konkrete Vorteile bei der Wildlife-Fotografie.
Das Objektiv behält über den gesamten Zoombereich dieselbe Länge und Balance bei. Das verringert auch den Pumpeffekt, der bei Objektiven mit ausfahrbarem Zoommechanismus Staub oder Feuchtigkeit einziehen kann.
Im Pantanal, wo Luftfeuchtigkeit, Staub und Wasserspritzer ein natürlicher Teil der Arbeitsumgebung sind, ist das eine relevante Eigenschaft.
Die feste Bauform macht das Objektiv zudem einfacher handhabbar in engen Booten. Es wächst beim Zoomen nicht nach vorne, und das Risiko, an die Reling, an andere Ausrüstung oder an einen Fotografen daneben zu stoßen, verringert sich.
Die Konstruktion lässt das Objektiv eher wie ein professionelles festes Tele mit Zoommöglichkeit wirken als wie ein traditionelles Telezoom.
Ein komplettes System von 100 bis 800mm
Während der Reise wurde das 100–400mm zusammen mit dem Sony 400–800mm an einem zweiten Kameragehäuse verwendet. Das ermöglichte sofortigen Zugriff auf den gesamten Bereich von 100 bis 800mm ohne Objektivwechsel draußen im Boot.
Das ist eine sehr effektive Kombination.
Das 100–400mm fungiert als Generalist für größere Tiere, Umgebungsaufnahmen, nahe Begegnungen und schnell wechselnde Situationen. Das 400–800mm ist der Spezialist für Vögel, kleinere Motive und Tiere auf größere Entfernung.
Die Objektive überlappen bei 400mm, was in der Praxis ein Vorteil ist. Man muss die Kamera nicht an einem exakten Umschaltpunkt wechseln, sondern kann das Kameragehäuse je nach Situation, Licht und Bewegungsgeschwindigkeit des Motivs wählen.
Zwei einsatzbereit montierte Kameras verringern auch die Notwendigkeit von Objektivwechseln in einer staubigen, feuchten und engen Umgebung. Es geht schneller, die Sensoren bleiben besser geschützt, und das Risiko, eine unerwartete Situation zu verpassen, wird geringer.
Wenn das Licht verschwindet
Der Nachteil eines Systems, das auf dem 100–400mm f/4,5 und dem 400–800mm f/6,3–8 basiert, ist natürlich die Lichtstärke.
Bei gutem Tageslicht ist das selten ein großes Problem, besonders mit modernen Kameras, die bei höheren ISO-Werten eine gute Bildqualität liefern. Aber früh am Morgen und spät am Abend kann das Licht schnell schwinden.
Daher wurde das System mit einem 70–200mm f/2,8 für Situationen ergänzt, in denen die größere Blende wichtiger war als die Reichweite.
Die drei Objektive erfüllen klare Rollen:
- 70–200mm f/2,8: schwaches Licht, Motive nah am Boot und maximale Trennung.
- 100–400mm f/4,5: flexibles Standardobjektiv für den größten Teil der Fotografie.
- 400–800mm: Vögel, kleinere Motive und größere Entfernungen.
Das ergibt eine nahezu lückenlose Abdeckung von 70 bis 800mm. Man opfert im Vergleich zu festen Superteleobjektiven etwas Lichtstärke, erhält aber ein System, das deutlich flexibler ist und sich bei durchdachter Verteilung der Ausrüstung immer noch als Handgepäck transportieren lässt.
Telekonverter oder separates 400–800mm?
Das Sony 100–400mm ist sowohl mit dem 1,4×- als auch mit dem 2×-Telekonverter kompatibel.
Mit dem 1,4×-Konverter wird der Bereich zu 140–560mm mit einer maximalen Blende von etwa f/6,3. Mit dem 2× erhält man 200–800mm und f/9.
Für alle, die mit einem einzigen Teleobjektiv reisen möchten, ist vor allem der 1,4×-Konverter eine interessante Lösung. Er bietet zusätzliche Reichweite, ohne dass man ein weiteres großes Objektiv tragen muss.
Aber ein Telekonverter bedeutet immer Kompromisse. Man verliert Licht, etwas Autofokusleistung und potenziell etwas Bildqualität. Der Konverter muss zudem montiert oder demontiert werden, wenn sich die Situation ändert.
Wenn man ein separates 400–800mm tragen kann, ist die Zwei-Kamera-Lösung schneller und flexibler. Für einen alleine reisenden Fotografen, der geringes Gewicht priorisiert, kann dagegen das 100–400mm zusammen mit einem 1,4×-Konverter ein sehr attraktives Reisesystem sein.
Ergonomie und Nahgrenze
Das Objektiv verfügt über die Bedienelemente, die man von einem professionellen G-Master-Objektiv erwartet: Fokusbegrenzer, mehrere Stabilisierungsmodi, programmierbare Fokustasten und Bedienelemente, die sich an den Arbeitsablauf des Fotografen anpassen lassen.
Der Zoomring ist breit, gleichmäßig und leicht zu finden, ohne den Blick vom Sucher zu nehmen. Dank des internen Zoommechanismus fühlt sich die Bewegung kontrolliert an, und die Balance der Kamera bleibt über den gesamten Bereich gleich.
Die Nahgrenze variiert je nach Brennweite von etwa 0,64 bis 1,5 Meter, mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 0,25×. Das macht das Objektiv nicht zu einem Makro, aber es funktioniert gut für größere Insekten, Reptilien, Blumen und Details in der Natur.
Der breite Zoombereich macht es auch für komprimierte Landschaften und abstraktere Bildausschnitte nutzbar. Das Objektiv muss auf einer Reise daher nicht ausschließlich als reines Wildlife-Tele fungieren.
Größe und Reisetauglichkeit
Mit einem Gewicht von etwa 1.840 Gramm, einer Länge von rund 328mm und einem 95mm-Filtergewinde ist das Objektiv weder klein noch unauffällig.
Die Größe muss jedoch in Relation zu dem gesetzt werden, was das Objektiv bietet: internen Zoom, konstante Blende f/4,5, schnellen Autofokus, optische Stabilisierung und sehr hohe Bildqualität von 100 bis 400mm.
Verglichen mit einem festen 400mm f/2,8 ist es leichter und deutlich flexibler. Verglichen mit dem Vorgänger ist es dagegen größer und schwerer.
Bei der neuen Version geht es also nicht um maximale Portabilität. Es geht um höhere Leistung, bessere Lichtstärke bei 400mm und eine professionelle Konstruktion, die sich immer noch realistisch aus der Hand verwenden lässt.
Reichen 400mm für Wildlife?
Das hängt ganz davon ab, welche Motive man fotografiert.
Für größere Säugetiere, Safari, Bootsfotografie und Tiere, die relativ nah herankommen können, ist 100–400mm ein sehr nützlicher Bereich. In vielen Situationen ist er praktischer als ein Objektiv, das bei 200 oder 400mm beginnt.
Für kleine Vögel auf große Entfernung sind 400mm dagegen oft zu kurz, selbst an einer hochauflösenden Kamera mit guten Beschnittmöglichkeiten.
Eine A7R-Kamera macht 400mm nützlicher, als es an einem Gehäuse mit geringerer Auflösung wäre, aber Beschnitt ersetzt keine echte optische Reichweite. Entfernung, atmosphärische Störungen und die Anzahl der Pixel auf dem Motiv setzen weiterhin deutliche Grenzen.
Das Objektiv ist daher nicht das einzige Tele, das ein spezialisierter Vogelfotograf benötigt. Für größere Wildlife kann es dagegen durchaus das Objektiv werden, das am meisten verwendet wird.
Die Nachteile
Der offensichtlichste Nachteil ist der Preis. Dies ist ein professionelles G-Master-Objektiv, und Sony verlangt entsprechend dafür.
Das frühere 100–400mm f/4,5–5,6 GM ist immer noch ein gutes Objektiv. Es ist leichter, kleiner und deutlich günstiger, nicht zuletzt auf dem Gebrauchtmarkt. Für alle, die keine konstante Blende f/4,5, keinen internen Zoom oder die neueste Autofokusleistung benötigen, kann der Vorgänger weiterhin eine vernünftige Wahl sein.
Das neue Objektiv ist außerdem schwer. Die gute Balance macht es leichter handhabbar, ändert aber nichts daran, dass 1,84 Kilo während langer Tage gepackt, getragen und gehoben werden müssen.
Auch reichen 400mm nicht für alle Motive. Für kleine Vögel oder Tiere auf große Entfernung braucht man oft einen Telekonverter, stärkeren Beschnitt oder ein separates längeres Objektiv.
F/4,5 ist gut für ein Zoom mit diesem Bereich, kann aber f/2,8 bei wirklich schwachem Licht nicht ersetzen.
Für wen eignet sich das Objektiv?
Das Sony 100–400mm F4.5 GM OSS eignet sich besonders gut für:
- Wildlife-Fotografen, die vorwiegend mit größeren Säugetieren arbeiten.
- Safari- und Bootsfotografie, bei der sich die Entfernung schnell verändert.
- Fotografen, die Umgebungsaufnahmen und enge Porträts ohne Objektivwechsel kombinieren möchten.
- Sportfotografen, die schnellen Autofokus und große Flexibilität benötigen.
- Nutzer hochauflösender A7R-Gehäuse, die eine gute Beschnittreserve wünschen.
- Professionelle Anwender, die internen Zoom, Betriebssicherheit und eine konstante Balance priorisieren.
- Fotografen, die das Objektiv mit einem 400–800mm oder einem Telekonverter kombinieren möchten.
Weniger naheliegend ist es für alle, die fast ausschließlich kleine Vögel auf große Entfernung fotografieren. Da sind ein 400–800mm, ein 200–600mm oder ein festes Superteleobjektiv nach wie vor die natürlichere erste Wahl.
Fazit
Das Sony FE 100–400mm F4.5 GM OSS ist ein sehr beeindruckendes Wildlife-Objektiv.
Es kombiniert einen außergewöhnlich nützlichen Zoombereich mit hoher Schärfe, schnellem Autofokus, konstanter Blende f/4,5 und einer ausgewogenen Konstruktion, die aus der Hand deutlich besser funktioniert, als Größe und Gewicht zunächst vermuten lassen.
Während der Fotografie im Pantanal wurde deutlich, wie wertvoll es ist, in wenigen Sekunden von 100 auf 400mm gehen zu können. Das Objektiv bewältigt alles von Tieren in ihrer Umgebung über enge Porträts bis zu weiter entfernten Motiven, ohne dass der Fotograf das Objektiv wechseln oder riskieren muss, zu viel Brennweite zu haben, wenn das Tier nah herankommt.
Zusammen mit einem 400–800mm an einem zweiten Kameragehäuse entsteht ein nahezu lückenloses System von 100 bis 800mm. Ergänzt durch ein 70–200mm f/2,8 für schwaches Licht erhält man eine sehr komplette Ausstattung, die deutlich flexibler ist als eine Sammlung großer fester Superteleobjektive.
Man opfert etwas maximale Lichtstärke und die extreme Motivtrennung, die ein 400mm f/2,8 bieten kann. Im Gegenzug erhält man ein System, das leichter zu transportieren, schneller zu handhaben und besser für Situationen geeignet ist, in denen sich die Entfernung zum Motiv schnell verändert.
Das Sony 100–400mm F4.5 GM OSS ist vielleicht nicht das einzige Wildlife-Objektiv, das man braucht. Aber es kann durchaus das Objektiv sein, das die meisten realen Situationen löst.
Es ist teuer, groß und immer noch relativ schwer. Aber es ist auch scharf, schnell, ausgewogen und außergewöhnlich nützlich.
Sony hat nicht das Objektiv mit der längsten Reichweite oder der größten Blende gebaut. Sie haben ein Objektiv gebaut, das dem Fotografen hilft, in mehr Situationen mehr nutzbare Bilder zu bekommen.
Für größere Wildlife, Safari und Fotografie vom Boot aus ist es schwer, viel mehr zu verlangen.
Getestet von

Michael Ahlén
Naturfotograf
Testzeitraum: Juli 2026
So haben wir getestet: Getestet während einer Reise im Pantanal, hauptsächlich freihändig von kleineren Booten aus, montiert an einer Sony A7R VI.
Die eigentliche Stärke liegt nicht darin, dass der Brennweitenbereich jede denkbare Situation abdeckt – sondern dass er einen sehr großen Anteil der Situationen abdeckt, die tatsächlich auftreten.
Eines der nützlichsten Wildlife-Objektive, die Sony bisher gebaut hat: ein nahezu idealer Brennweitenbereich für größere Wildtiere, konstante Blende f/4,5, schneller Autofokus und hohe G-Master-Schärfe in einem Paket, das freihändig hervorragend funktioniert.
8/10
Sehr stark
- Bildqualität
- Außergewöhnlich
- Praxistauglichkeit im Feld
- Sehr hoch
- Reisetauglichkeit
- Gut, aber schwer
Unsere Tests und Bewertungen orientieren sich an den Bedürfnissen von Naturfotografen.
Stärken
- Sehr gute Schärfe über den gesamten Zoombereich – auch bei 400 mm und voller Öffnung.
- 100–400 mm decken einen sehr großen Anteil der Situationen ab, die bei größeren Wildtieren tatsächlich auftreten.
- Schneller und zuverlässiger Autofokus, der bewegte Motive meistert, auch freihändig vom Boot aus.
- Konstante Blende f/4,5 sorgt für mehr Licht, bessere Freistellung und bessere AF-Voraussetzungen als f/5,6-Zooms.
- Interner Zoom: konstante Länge, stabile Balance und besserer Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit.
- Dank der Balance erstaunlich leicht auch über lange Sessions freihändig zu handhaben.
Einschränkungen
- Hoher Preis.
- Etwa 1 840 Gramm – kein leichtes Objektiv und kein kompaktes Reisezoom.
- Bietet nicht dieselbe dreidimensionale Motivfreistellung wie ein festes 400 mm f/2,8.
Für wen ist es geeignet?
Für Fotografen, die Flexibilität und die Wahrscheinlichkeit, das Bild tatsächlich zu bekommen, über maximale Reichweite oder Lichtstärke stellen. Besonders stark vom Boot und Safarifahrzeug aus – gerne zusammen mit einem längeren Tele wie dem 400–800 mm.
Am besten geeignet für: Safari und größere Wildtiere · Fotografie vom Boot und Safarifahrzeug · Vögel auf mittlere Distanz · Freihändige Wildlife-Fotografie
Feldnotizen
Wurde hauptsächlich freihändig von den kleineren Aluminiumbooten aus verwendet, die im Pantanal verbreitet sind.
Montiert an einer hochauflösenden Sony A7R VI, zusammen mit dem Sony 400–800 mm an einem zweiten Gehäuse – volle Abdeckung 100–800 mm ohne Objektivwechsel.
Die volle Öffnung f/4,5 wurde durchgehend verwendet – kein Bedarf, für die Schärfe abzublenden.
F/4,5 reicht früh am Morgen oder spät am Abend nicht immer aus.
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